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Dienstgemeinschaftstag 2017

Dienstgemeinschaftstag 2017: Arbeit 4.0 und Digitalisierung

Von beweglichen Arbeitszeiten und tanzenden Robotern

Flexible Arbeitszeiten, die nicht nur dem Arbeitgeber, sondern auch dem Arbeitnehmer und dem Kunden dienen sollen. Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung von Präsenzarbeitsplätzen. Das Konzept der lebensphasenorientierten Personalpolitik. Und ein tanzender emotionaler Roboter, der die Menschen zum Schmunzeln brachte und bewies, dass Technik durchaus menschlichen Charakter haben kann. Zum Dienstgemeinschaftstag 2017 waren rund 130 Teilnehmer angereist, um Möglichkeiten kennenzulernen, sich zu informieren, sich auszutauschen und zu diskutieren. Sowohl kirchliche Dienstgeber, als auch deren Mitarbeitervertretungen interessierten sich für die neuen Herausforderungen der Arbeitszeit- und Arbeitsplatzgestaltung.  

Zu fünft hatten sich die Mitarbeiterinnen und Dienstgeberinnen der katholischen Kindertageseinrichtungen Hochsauerland, Waldeck gGmbH zur ganztätigen Veranstaltung angemeldet. „Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind in unserem Bereich wenig anwendbar“, waren sich die Frauen einig. Wo „von Mensch zu Mensch“ gearbeitet werde, komme es letztlich doch auf den persönlichen Kontakt an. Mehr Potenzial sahen sie hingegen in der Flexibilisierung von Arbeitszeiten: „Interessant zu sehen, welche Möglichkeiten es für uns Mitarbeiter gibt.“ Auch über den Tellerrand hinaus schauten die Teilnehmerinnen an dem Tag: „Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten ist ein großes Thema in allen Branchen und der Gesellschaft. Davon sind wir als Betreuungseinrichtung für Kinder natürlich direkt betroffen, wenn Eltern sich mit einem flexiblen Arbeitsmarkt auseinandersetzen müssen. Für uns als katholischen Arbeitgeber stellt sich dabei die Frage, wo sind die Grenzen? Wie sieht es aus mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf?“

Mit zwei Vorträgen wurden die Teilnehmer auf das Thema vorbereitet. Prof. Dr. Gerhard Bosch, Senior Professor am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, sprach zu den Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung im sozialen und erzieherischen Bereich, also in einem Feld, welches auf Präsenzarbeit angewiesen ist.

„Die Auswirkung auf den Arbeitsplatzabbau wird sehr hoch sein“, zitiert Dr. Bosch eine Studie. Eine wissenschaftliche Vorhersage, der er jedoch skeptisch gegenübersteht und mit Vorsicht genießt. Denn wer weiß schon, was morgen passiert? "Wir wissen es nicht!"

Grundsätzlich hält er soziale und erzieherische Dienstleistungen für wenig rationalisierbar und damit auch wenig digitalisierbar. Zu sehr stünden Interaktion und Empathie im Vordergrund und zeichneten diese Art von Dienstleistungen aus. Es blieben jedoch Möglichkeiten im weiteren Arbeitsumfeld, wie in der Dokumentation und der Planung (vor allem in Deutschland gebe es dort noch jede Menge brachliegendes Potential), der Kommunikation, im Bereich der assistierenden Technologien (Bewegungshilfen, Personenortung) oder im Bereich der Lernmittel. Vor allem bei einfachen pflegerischen Tätigkeiten könne ein Roboter problemlos zum Einsatz kommen.

Neben den Gefahren wie weniger Zeit für Patienten durch zeitintensive Pflegedokumentation, Algorithmen, die Tätigkeiten zwingend vorschreiben und Autonomie verringern, „Big Data“, welche für mehr Rationalisierung genutzt wird oder auch Überforderung der Arbeitnehmer durch zu wenig IT-Verständnis und Know How, stellte er auch die Potenziale vor:

So könne schwere körperliche Arbeit verringert, durch mehr Effizienz der Schwerpunkt auf die Kerntätigkeit gelegt und damit die Arbeit interessanter werden. Durch moderne Technik würden Behinderte und Pflegebedürftige mehr Lebensqualität gewinnen. Genauere Diagnosen könnten die Pflegequalität verbessern. Vernachlässigt werden, das sagten beide Referenten, vor allem Übergangsarbeitszeitmodelle für Ältere, die in den Ruhestand gehen.

Dr. Andrea Hammermann, Economist des Arbeitsbereichs „Arbeitsmarkt und Arbeitswelt“ im Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, führte in das Konzept der lebensphasenorientierten Personalpolitik ein: „In Unternehmen mit lebensphasenorientierter Personalpolitik sind Bindung und Motivation höher, das bedeutet weniger Krankentage, mehr Innovation und auch mehr Erträge“, stellte sie die Vorteile vor. Durch Lebensarbeitszeitkonten, Familienteilzeit oder Altersteilzeit gewinnt der Mitarbeiter mehr Zeitsouveränität. So kann er in den ersten Berufsjahren mehr und dafür in späteren Arbeitszeiten weniger arbeiten. Diese Arbeitszeitmodelle dienen einer besseren Work-Life-Balance und können Bestandteile eines betrieblichen Gesundheitsmanagements sein.

Überhaupt werde die Arbeitwelt 4.0 von vielen Änderungen begleitet werden: Aus demografischen Gründen werde es einen Fachkräftemangel geben, dafür müsse verstärkt lebenslang gelernt werden. Altersgemischte Teams könnten die Wissensweitergabe gewährleisten. Zunehmen werden dank der Digitalisierung Telearbeit und flexibles Arbeiten. Und auch ein Wechsel im Führungsstil, hin zum ergebnisorientierten Führen sei notwendig. Was heutzutage noch immer kaum eine Rolle spiele sei ein geplantes Austrittsmanagement. Auch das werde sich ändern (müssen).

Um die zunehmende Arbeitszeitverdichtung zu bewältigen, müssten radikalen Maßnahmen ergriffen werden. Dr. Hammermann spricht sich gegen eine 24-Stunden-Empfänglichkeit aus: Also Server abstellen und eingehende Mails zu Urlaubszeiten löschen. Dafür Resilienz gezielt stärken. Auch durch Trainings.

Und welchen Beitrag die Digitalisierung in einem so persönlichen und menschlichen Beruf wie der Pflege tatsächlich leisten kann, veranschaulichte Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste gGmbH Hückelhoven, in seinem Impulsreferat „Neuerungen in der Pflege“. Die offene Frage lautete: „Mehr Autonomie durch digitale Kommunikation und andere Roboter?“ Zusammen mit Dr. Daniela Janßen vom Cybernetics Lab der RWTH in Aachen, die den humanoiden Roboter „Pepper“ vorstellte, betonte er, dass die Digitalisierung die Pflege ergänzen, aber niemals ersetzen kann. Pepper, der erste humanoide Roboter, sei demnach einsetzbar für Interaktion, Beschäftigung, Kommunikation und als Unterstützung bei Terminen. Aber nicht als Pfleger und menschlicher Ansprechpartner.

Die digitalen Möglichkeiten, nicht nur in der Verwaltung, seien jedoch immens und immer noch nicht ausgeschöpft. So könnten intelligente Fußleisten erkennen, ob der Patient gestürzt ist und dringend Hilfe benötigt. Da der medizinische Fortschritt jedoch erkennen lasse, dass der uralte Menschheitstraum von der ewigen Jugend bald Wirklichkeit werden könne, sei es möglich, dass alle bisherigen Weiterentwicklungen in der Pflege bald überflüssig sein könnten… Trotzdem zeigte die Arbeitsgruppe reges Interesse an „Pepper“, dem menschlichen Roboter, der den eher skeptisch eingestellten Teilnehmern doch noch mit einem Tänzchen ein kleines Lächeln abringen konnte.

 

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