Tagungshaus
In Großstädten wird nicht erst seit Kurzem fehlender Wohnraum bemängelt. Die Sozialwissenschaftler Andrey Holm und Stephan Junker haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung basierend auf dem Mikrozensus 2014 im Rahmen der Studie „Die Wohnsituation in deutschen Großstädten – 77 Stadtprofile“ u.a. festgestellt, dass es eine Versorgungslücke mit Wohnraum i.H.v. 27,4 % deutschlandweit und bezogen auf Dortmund i.H.v. 21,9% gibt (https://www.boeckler.de/pdf_fof/100892.pdf). Dabei ist die Versorgungslücke bei den Haushalten mit Einkommen unterhalb des Einkommensmedians besonders groß.
Die Studie schlüsselt nicht auf, in welchen Eigentumsverhältnissen sich die Wohnungen befinden. Aus verschiedenen Quellen (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen; Savills und SoZonline) geht jedoch hervor, dass der überwiegende Teil der Miet- und Eigentumswohnungen im Besitz von Privatpersonen ist, die öffentliche Hand und Genossenschaften zusammen rund 20 % und die private Wohnungswirtschaft nur rund 13 % des Wohnungsbestandes halten – mit deutlichen Unterschieden in der Land-Stadt-Verteilung und je nach Bundesland.
Wohnen ist ein unbedingtes Recht jedes Menschen. Auch wenn es in Deutschland in erster Linie aus der Menschenwürde und dem Sozialstaatsprinzip abgeleitet wird, also nicht namentlich im Grundgesetz steht, wird es doch schon in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 im Art. 25 sowie im UN-Sozialpakt (Art. 11) genannt.
Sicheres Wohnen ist ein existenzielles Bedürfnis jedes Menschen. Dem stehen wirtschaftlich ein sich nicht vermehrbarer Produktionsfaktor Boden sowie steigende Baukosten gegenüber. Wohnungen befinden sich zum Teil im Eigentum von Gesellschaften, deren erstes Ziel Gewinnmaximierung ist. Das gilt auch für manche Privatvermieter:innen. Eigentum ist grundgesetzlich gesichert, die ebenfalls grundgesetzliche Auflage, dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein, scheint politisch schwer durchsetzbar. Boden und damit Wohnungen gewinnen an Wert, und zwar auch durch Anstrengungen der öffentlichen Hand, z.B. durch Verbesserung der Infrastruktur. Die Politik bietet einkommensschwachen Familien Wohngeld und Bauträgern finanzielle Unterstützung oder steuerliche Erleichterungen an.
Das Problem müsste jedoch umfassender angegangen werden.
Mitgedacht werden sollten auch nachhaltige Aspekte: Besser vorhandene Bebauungen nutzen als mehr Raum zu versiegeln und CO2-schädliche Neubauten zu erstellen. Es muss ein Klima entstehen, in dem sich auch private Eigentümer:innen ihrer Verantwortung bewusstwerden und umsichtig handeln. Kirchen könnten freiwerdende Immobilien zu Wohnraum umwandeln.
Letztlich wäre das ein Schritt für eine Steigerung der Lebensqualität insgesamt und käme allen zugute – denn desto größer die Unzufriedenheit ist, desto mehr leiden die Stadt- und Staatsgesellschaft und die Demokratie. Eine Aufgabe für jede Person, die Wohnungen vermietet, für Städte, die Bebauungspläne aufstellen, für Bauleitplanungen, für Städteplaner:innen und Architekt:innen und auch für eine neue Bundesregierung!
In Großstädten wird nicht erst seit Kurzem fehlender Wohnraum bemängelt. Von der neuen Bundesregierung fordert Martina Luft deswegen eine umfassende Lösung zur Steigerung der Lebensqualität in ihrem neuen Stand•PUNKT.
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