Tagungshaus
C02-Einsparungen durch ein Tempolimit fallen nicht so hoch aus, wie behauptet. So die Deutung einer aktuellen Studie durch das Bundesverkehrsministerium, die vor einigen Tagen präsentiert wurde „Nur“(!) 1,3 bis 4,2 Millionen Tonnen C02 würden bei einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen eingespart werden, je nachdem, wie konsequent es eingeführt wird. Die aktuelle Studie kommt, wie betont wird, also zu anderen Ergebnissen als bisherige, etwa des Umweltbundesamtes.
Deutschland ist eines der ganz wenigen Länder weltweit, die kein Tempolimit auf Autobahnen kennen. Unter den (freiheitlich-demokratischen) Ländern Europas ist es das einzige. Dabei ist ein Tempolimit ein einfaches, unkompliziertes und schnell umsetzbares Instrument, um nennenswert sofort klimaschädliche Emissionen zu vermeiden. Und selbst wenn es geringere Einsparungen als von anderen Studien behauptet bringt: Die Verringerung von Millionen von Tonnen eines Treibhausgases, zumal ohne großen Kostenaufwand, ist doch nicht nichts. Was hindert uns also, wie alle anderen Länder auch ein Tempolimit einzuführen?
Schaut man sich die Meldung des Verkehrsministeriums näher an, so stellen sich weitere Fragen. Vergleichbare Studien gehen von anderen Annahmen aus wie etwa ein Tempolimit von 120 km/h und die Berücksichtigung eines schärfen Tempolimits auf Bundes- und Landstraßen ähnlich anderer europäischer Länder. Die Meldung berücksichtigt auch nicht weitere „Einsparungen“ durch ein Tempolimit bei den Feinstaub-Emissionen oder den Stickstoffoxiden. Die Niederlande haben 2020 das Tempolimit mit einzelnen nächtlichen Ausnahmen auf 100 km/h (!) gesenkt, um die viel zu hohen Stickstoffoxid-Emissionen einzudämmen.
Und weiter: Das Verkehrsministerium weist selbst daraufhin, dass neben dem Klimaschutz ein generelleres Tempolimit eine „bedeutende Rolle“ hat, um den Verkehrsfluss zu verbessern und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Eine zusätzliche schöne Aussage der Studie ist es, das die Mehrheit angepasster und langsamer als früher unterwegs ist. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass kein Tempolimit eine Minderheit von Autofahrern schützt, die unvernünftig viel zu schnell unterwegs sind.
Alles – auch die Studie selbst – spricht auf überzeugender Weise für ein Tempolimit. Und kein einziger Punkt erklärt, warum eigentlich nicht. Warum plädiert dann das Ministerium nicht für ein Tempolimit und streut Sand in die Augen? Zum Entsetzen der Klimaforscher:innen ist die Erderwärmung „sprunghaft“ um 0,3 Grad gestiegen, so eine anderen Kurzmeldung dieser Tage. Zeit für ein Umdenken! Tempolimit jetzt!
„Nur“(!) 1,3 bis 4,2 Millionen Tonnen C02 würden bei einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen eingespart werden, so die Deutung einer aktuellen Studie durch das Bundesverkehrsministerium. Die Verringerung von Millionen Tonnen eines Treibhausgases, zumal ohne großen Kostenaufwand, ist doch nicht nichts. Warum plädiert das Ministerium nicht für ein Tempolimit, fragt Detlef Herbers in seinen Stand•PUNKT.
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